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Wie kam ich zum Pferd - wie die Jungfrau Maria zum Kind. Normalerweise weiß ich Geschäft und Privat zu trennen. Normalerweise. Aber diese Einladung machte mich neugierig. Ich wurde von einer Kundin zu einer Schleppjagd eingeladen. Darunter konnte ich mir rein garnichts vorstellen. Ich mußte natürlich erstmal fragen was das ist und Sie erklärte mir, daß ihr Mann Jagdhornbläser sei, beide natürlich Reiter seien und in Deutschland nur noch Schleppjagden zu Pferde erlaubt sind. Dabei sind die Reiter in mehrere Felder aufgeteilt und es wird von den Vorreitern eine Schleppe gelegt in Form einer wohlduftenden Flüssigkeit, der die Hundemeute dann folgt. Angefangen vom "Stell-Dich ein" mit einem kleinen Umtrunk beginnt dann die Jagd mit Bläsern, Hundemeute, etc. Den Abschluss bietet das Curée für die Hunde und ein Jagdessen in netter Runde mit Tanz und dem Jagdgericht natürlich, falls ein Reiter sich nicht an die Regeln hielt. Ich sah mich ins OLD ENGLAND versetzt und wollte sowas gerne mal miterleben. Also sagte ich zu und freute mich tierisch darauf. Im Oktober 1996 war es dann so weit.
Wir trafen uns auf der Edlinger Mühle ind Edling, das liegt direkt hinter der Grenze zu Frankreich/Lothringen. Ich wurde den Jagdhornbläsern Saarbrücken vorgestellt und die ganze Atmosphäre war für mich überwältigend. Als das Halali los ging bekam ich eine Gänsehaut und hätte am liebsten mitgemacht. Aber vor den Pferden hatte ich einen Heiden-Respekt.
Die Jagd war eröffnet - ich durfte mit den Bläsern fahren und war deshalb direkt mitten im Geschehen. Ich war begeistert. Auf einem Feld, direkt am Waldrand war ein Zwischenstopp organisiert, damit die Pferde und Reiter verschnaufen konnten. Einer der Jagdreiter drückte mir sein Pferd in die Hand, sagte, ich solle ihn trocken führen und entschwand. Mir schlug das Herz im Hals, aber ich tat, was verlangt wurde. ich betete zu Gott, daß dieses Riesentier nichts unüberlegtes macht und brav mit mir geht. Das tat er auch und ich roch seinen Schweiß und seinen Atem und ich wußte....das ist es.....das will ich lernen....REITEN. Aber ich hätt es glaube ich nie gemacht. Wenn da nicht ein Jagdreiter gewesen wäre, den ich schon seit ich Kind bin kenne. So ein Eingefleischter, dessen Körper nur noch aus Stahlplatten besteht und verschraubt ist, so viele Knochenbrüche hatte er schon. Ritt Jagden mit in Irland und in der Lüneburger Heide und hatte einige Pferde, meistens Irish Hunter, die Original Irischen Jagdpferde.
Wir kamen ins Gespräch und er meinte, ich solle ihn in einer Woche anrufen. Er hätte seine Pferde in Schmelz auf dem Johannishof stehen und er würde mich mit dem Stallbesitzer bekannt machen. Ich erklärte Ihn für verrückt. Ich bin doch nicht irre und fange in meinem Alter, ich war damals 35 Jahre alt, noch an zu reiten. Es juckte zwar gewaltig unter den Fingernägeln aber die Angst war größer. Er gab mir seine Telefonnummer und ich solle es mir überlegen. Ich fuhr nach Hause und war äußerst irritiert. Doch der Tag und dieses Erlebnis ließ mich nicht mehr los. Nach einer Woche Bedenkzeit rief ich Ihn an.
Nach zwei Tagen war es soweit. Der Stallbesitzer war sehr nett und führte mich durch den ganzen Stall. Es standen dort ca. 70 Pferde und fast alle waren ausgebildete Turnierpferde. Schwerpunkt Springen aber auch Dressur. Einige Kutschpferde und ich glaube es waren 3 Schulpferde. Der damalige Reitlehrer, Herr Ralf Rannenberg, wurde mir auch vorgestellt aber wohl fühlte ich mich nicht. Ich wußte ja nicht mal wo an einem Halfter oben und unten ist und als ich die großen Pferdeköpfe sah, die aus ihren Boxen schauten, wurde mir doch arg mulmig und ich sagte ab - oder besser gesagt ich ließ es offen.
Ich glaub ich hab in dieser Nacht nur von Pferden geträumt und dieses Tier ließ mich nicht mehr los. Der Geruch, die Eleganz, die Kraft, die Schönheit - ich muß es versuchen. Also rief ich ein paar Tage später (am 14.11.1996) dort an und buchte meine erste Reitstunde. Mein Pferd hieß Sarah und war eine Stute die dort im Schulbetrieb mitging. Die Stunde war eine Katastrophe. Das fing schon an beim putzen von Sarah. Sie war brav, aber ich total zittrig. Sie verzieh es mir, schaute aber genau zu, was ich an ihr machte. Beim satteln und trensen brauchte ich Hilfe, das klappte garnicht. Dann gings ans aufsteigen. Ich kam nicht hoch. Mega-Peinlich. Herr Rannenberg half mir und ich bekam meine erste Longenstunde. An Gleichgewicht war kaum zu denken. Ich war froh und traurig als die halbe Stunde zu Ende war. Ich brachte Sarah zurück in Ihre Box, zog ihr Sattel und Trense aus, machte ihr die Hufe sauber und bemerkte, daß ich schon lockerer wurde im Umgang mit ihr. Ich gab ihr noch ein Möhrchen und ging zurück in die Reithalle. Direkt an der Reithalle war noch ein Stall, eigentlich der Hauptstall. Hier standen alle Turnierpferde vom Verein und von den Turnierreitern. Ich schlenderte mal durch und schaute mir die Pferde an. An einer Box blieb ich stehen. Dieses Pferd reckte den Hals nach mir wie eine Giraffe. Ich streichelte es und fand es wunderschön. Es war Wallstreet - und es war Liebe auf den ersten Blick - nun war ich infiziert. Als ich dann noch hörte, das er zum Verkauf steht war es sicher - Das wird mein Pferd!
EKUNDAYO
