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15.06.1997 -  Autobahnunfall auf der Heimfahrt vom Turnier in Ballern

Eigentlich fing das Wochenende richtig Klasse an. Turnier in Ballern war angesagt und ich freute mich schon riesig darauf. Wir waren alle schon mächtig aufgeregt und ich durfte meine neuen Sachen anziehen. Die hat meine neue Besitzerin extra fürs Turnier gekauft. Tot-Schick. Nina Bossen machte ja Ihre Ausbildung auf dem Johannishof in Schmelz und ich war Ihr "Schulpferd" - mehr oder weniger. Sie hatte sich auch gut vorbereitet und der Samstag lief richtig gut, wobei mein Frauchen garnicht dabei war, denn sie mußte arbeiten. Sonntags ging es dann schon ganz früh mit dem 3er Hänger los. Mit mir standen "Dancing Girl", eine S-Stute und "Fabian" ein S-Wallach im Hänger und wir waren alle 3 sehr relaxed. Da im Auto für mein Frauchen kein Platz mehr war, fuhr sie mit ihrem eigenen Auto hinterher. Das Turnier lief klasse und wir waren alle zurfrieden. Das Wetter war herrlich und nach der letzten Siegerehrung packten die Zweibeiner aller zusammen. Ich bekam noch mit, daß mein Frauchen sich mit Nina etwas stritt, weil Nina sich weigerte, mir die Transportgamaschen anzuziehen, da ihr diese nicht gefielen. Das Gespräch ging hin und her und ging so aus, daß Nina den Befehl erhielt, mir die Gamaschen anzuziehen, schnurz piepe wie die Dinger aussahen, hauptsache meine Beine sind geschützt. Dann fuhr mein Frauchen in den Stall, um dort auf uns zu warten und ich wurdemit den anderen Zwei von Nina verladen. OHNE Gamaschen - sie war ein sturer Brocken - aber das hatte dann auch ein Nachspiel.

 

Jetzt muß mein Frauchen weiter erzählen, denn mit fehlt da einiges!!

 

An Besten fang ich am Anfang an......ich hoffte, während der ganzen Fahrt in den Stall, daß Nina sich an meine Anweisungen hielt, hatte aber ein komisches Gefühl. Wir TT-`s (Turnier-Trottel) saßen in der Reiterklause und warteten auf die Pferde. Dann ging das Telefon. Wir bekamen nur mit, daß es einen Unfall auf der Autobahn gab. Ein Hänger sei umgefallen und die Pferde liefen über die Autobahn. Ich war mir sicher, daß das der Hänger mit Wallstreet war. Die anderen versuchten mich zu beruhigen, aber ich war mir zu sicher.....was sich dann auch bestätigte. Herr Herbert Müller, der Stallbesitzer (Dancing Girl und Fabian waren seine Pferd) fuhr los, wollte aber nicht daß ich mitfahre, da er selbst nich wußte, was Ihn dort erwartete. Er versprach mir, mich sofort über Handy zu informieren und ich sollte mir keine Gedanken machen, es sei bestimmt nicht so schlimm. Ich saß da und wurde fast verrückt. Nach ca. 1/2 Stunde rief Herr Müller dann an. Er schilderte die Situation so: " Pauline, die Fahrerin war sehr wahrscheinlich zu schnell gefahren und wäre in Spurrillen gekommen. Der Hänger fing an zu schauckeln und fiel dann um, wobei es schon eine Kunst ist, einen 3er Hänger mit 3 Pferden umzuwerfen. Das Dach des Hängers flog weg. Wallstreet, der rechts stand, kam als erster raus und rannte über die Autobahn, gefolgt von Fabian. Dancing Girl, die einen Karabinerhaken am Strick hatte und keinen Panikhaken, hing fest und kam nicht raus. Was sich im Nachhinein als Glück rausstellte, denn Herr Müller war sich sicher, daß SIE über die Leitplanken gesprungen wäre. Wallstreet lief ein paar Meter und blieb dann stehen. Dadurch blieb Fabian auch stehen und die Beiden standen mitten auf der Autobahn und schauten sich die Landschaft an. Dann war nur noch Glück im Spiel. Kein Pferd bekam Panik.....kein Auto weit und breit....nur 3 Turnierreiter mit Hänger und in jedem Hänger war noch Platz für ein Pferd. Matthias Gude, der als erster an der Unfallstelle war mit seinem Hänger, sah, daß Wallstreet am schwersten verletzt war, verlud Ihn und fuhr ihn nach Altforweiler in die Klinik. Er ließ sich auch einwandfrei verladen und war kaum aufgeregt.

 

Ich saß nun in der Klause und bekam alle 10 Minuten Bericht übers Handy. Dann kam die Nachricht, daß ein Pferd in die Klinik kam und die anderen Zwei kämen in den Stall. Wir gingen also alle nach unten und warteten. Dann kamen die Verletzten. Ich wußte bis dato noch nicht, daß Wallstreet nicht dabei war. Als erste kam Fabian. Er hatte alle vier Beine offen und den ganzen Kopf. Dancing Girl hatte von den Flanken bis zur Kruppe garkein Fell mehr auf sich und als die diese Verletzungen sah, dachte ich, daß Wallstreet, als "Schwerverletzter", das wohl nicht überleben wird. Ich wußte ja nicht einmal, welche Verletzungen er hatte. Ich stand nur dumm dabei und schaute zu wie 2 Tierärzte aus der Klinik, die in den Stall kamen, Dancing Girl und Fabian erstversorgten. Dann fuhr ich nach Hause. An Schlaf war nicht zu denken. Ich dachte nur, daß ich jetzt mal das Glück für drei Monate hatte, ein Pferd zu haben. Ich lief die ganze Nacht wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Wohnung und machte mir wahnsinnige Sorgen.

 

Morgens um 6 Uhr hielt ich es nicht mehr aus und fuhr in die Klinik. Da stand er nun. Alle vier Beine verbunden bis unter den Bauch und der Tierarzt sagte mir, daß die Verletzung so schlimm sei, da er keine Transportgamaschen getragen hatte. Er hatte wahnsinniges Glück. Das rechte Vorderfußwurzelgelenk war handtellergroß offen bis zum Knochen. Ein Milimeter tiefer und die Kapsel wäre durchgewesen. Ich fuhr sofort in den Stall und nahm mir Nina zur Brust. Ab jetzt durfte sie Wallstreet nicht mehr reiten, denn auf den Tierarztkosten blieb ich ja auch sitzen. Ich fuhr jeden morgen und jeden abend in die Klinik und nach 10 Tagen war Wallstreet wiede im Stall. 4 Wochen trug er noch den Verband und der Tierarzt kam jeden Tag zum Verbandwechsel. Bis dato habe ich die Verletzung noch garnicht gesehen. Dann kam der große Tag. Der Verband kam runter und ab jetzt mußte ich die Wunde versorgen. Das war erstmal ein Schock, denn so schlimm hätt ich es mir nicht vorgestellt. Wallstreet reagierte dann auch dementsprechend. Erstens hatte er noch nicht das nötige Vertrauen zu mir und zweitens hat er eine kleine Tierarztphobie, sprich ohne Unterstützung von 5 Mann ging das Verarzten garnicht. Einer hielt ein Bein fest, einer hielt den Schweif fest, einer bestach ihn mit Leckerlis und 2 hielten den Halfter. Ich war jeden abend heilfroh, wenn wir diese Prozedur hinter uns hatten und Wallstreet auch.

 

Doch ein Gutes hatte das Ganze. Wir wuchsen in der Zeit sehr stark zusammen. Mein Wallstreet und ich. Er fasste Vertrauen zu mir und merkte, daß ich es gut mit Ihm meine und das ich ihm helfe. Und das zeigt er mir bis heute immer wieder. Wobei mein Tierarzt mir immer wieder sagt, daß mich nichts mehr so schnell schocken kann, denn es sei uns das Schlimmste passiert, was einem Reiter und seinem Pferd passieren kann, daß das Pferd über die Autobahn rennt.

 

Und ich muß den Hut vor Wallstreet ziehen, denn genau in solch brenzligen Situationen reagiert er vollkommen cool und überläßt es mir mit vollstem Vertrauen, Ihn aus der Situation zu befreien, was er immer wieder unter Beweis stellt.

 

 

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