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Zweibrücker Warmblut
Der Zweibrücker ist ein robustes, physisch und psychisch belastbarer sowie fruchtbarer Warmblüter im Typ des deutschen Reitpferdes. Merkmale sind ein ausgeprägter Geschlechtstyp bei durchaus unterschiedlichem Kaliber. Erwünscht sind korrekte, fleißige, taktreine und raumgreifende Grundgangarten mit leichter "Knie-Aktion" sowie ein geschicktes, vermögendes und überlegtes Springen, welches Gelassenheit und Intelligenz erkennen läßt. Der Zweibrücker soll unkompliziert, umgänglich, gleichzeitig einsatzfreudig, nervenstark und verlässlich sein, einen wachen, intelligenten Eindruck machen und durch sein Auftreten und Verhalten gute Charaktereigenschaften sowie ein gelassenes, ausgeglichenes Temperament erkennen lassen. Er ist rittig, vielseitig veranlagt, leistungsbereit und -fähig für Reit- und Sportzwecke jeder Art, insbesondere für die Diziplin Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Fahren. Es gibt ihn in allen Grundfarben mit Ausnahme von Cremellos in einem Stockmaß von etwa 160 bis 170 cm.
Exterieur
Ausdrucksvoller Kopf, trocken und edel, große Augen, der Hals lang, gut angesetzt zum Genick sich verjüngend. Die Schulter lang und schräg, lang in den Rücken hineinragender Widerrist. Die Gelenke sollen trocken sein, korrekt und harte Hufe sind gewünscht.
Interieur
Edel, brav und umgänglich
Zuchtgeschichte
Entstand aus den heimischen, ursprünglich vom englischen Vollblut und dem Araber geprägten Warmblutpferden, durch Anpaarung vornehmlich mit Trakehnern, Hannoveranern und Westfalen.
Landgestüt Zweibrücken
Derzeit ist das Landgestüt Zweibrücken, angesichts des niedrigen Beschälerbestandes das Kleinste Deutschlands. Blickt man jedoch zurück auf die Historie, zeigt sich, daß es einst eines der größten Staatsgestüte gewesen ist. Es hatte eine wechselhafte Geschichte. Eigentlicher Gründer war Herzog Christian IV. Er war von englischen Vollblütern begeistert und errichtete zwischen 1752 und 1755 herzogliche "Einrichtungen" in Birkhausen, auf dem Eichelscheiderhof, bei Kirkel und auf dem Holzhauserhof.
1755 regelte er in einer Verordnung die Aufstellung von Hengsten auf Beschälstationen im Herzogtum Zweibrücken. Dies war das Gründungsjahr des Landesgestütes.
Sein Nachfolger Herzog Karl August II., erließ das Gebot, daß::"...in unseren Landen thunlich schöne - brauchbare und gute Pferde gezogen werden sollen".
1783 kaufte der preußische König 150 Hengste aus Zweibrücken für sein Paradegestüt Trakehnen. 1793 (Besetzung durch französische Revolutionstruppen) brachte man alle Gestütspferde nach Rosieres aux Salines, doch schon 1806 sorgte Napoleon für die Wiedereinrichtung des LG Zweibrückens. Zu dieser Zeit hatte das Gestüt (durch Zukäufe aus deutschen Zuchten, Spanien und Ungarn) schließlich über 260 Hengste und weit über 100 Stuten. 1814 flüchtete der damalige Gestütsleiter mit einigen Hengsten und Fohlen nach Fontainebleau.
1816 kam die Pfalze unter bayrische Herrschaft und man setzte nun vornehmlich Anglo-Normannen und Araber zur Zucht ein.
Mit der Einrichtung verschiedener kleiner Rennplätze (1821 erstes offizielles Pferderennen in Zweibrücken) in der Region, blieb bis heute der Einfluss des Englischen Vollblutes auf die Zucht der Zweibrücker Rasse erhalten.
Etwa 10 Jahre später zählten ca. 260 Pferde zum Gestüt, darunter 74 Hengste. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fiel die Remonte-Zucht weg, die Landwirtschaft wurde intensiviert. So wurden schwerere Warmblüter eingesetzt, meist Oldenburger. Nach dem zweiten Weltkrieg endete die bayrische Regentschaft und Zweibrücken unterstand fortan dem rheinlandpfälzischen Landwirtschaftsministerium. 1946 wurden 58 Hengste eingesetzt, davon 18 Kaltblüter. Diese wichen jedoch schnell und machten Platz für Trakehnerhengste wie Apfelkern, Fantast, Herodes, Reichsfürst und Waldfeuer, die überwiegend gestütseigene Stuten deckten. Zwischen 1966 und 1976 bestand die Hälfte des Beschälerstandes aus Trakehnerhengsten wie Intermezzo, Schöner Abend und Halali.
Der Trakehnerverband übernahm hinterher die Nebenbetriebe, wie z.B. Birkhausen. In Zweibrücken selber wurde in kurzer Zeit der gesamte Bestand ausgewechselt. Hannoversche Hengste bezogen die Boxen. Unter ihnen Diskus, Dörfler, Dewet, Cerberus, Labour und Kurpfalz.
Besonderen Einfluß nahmen: Mars v. Marconi, Dukat v. Duft II, Duellfürst v. Duellant, Einstein v. Einglas und Waldjäger v. Walsfrieden. Der Weingau-Enkel Weinberg und Genius v. Gotthard machten in jüngster Zeit von sich reden.
Als herausragende Vererber erwiesen sich Grandus v. Graphit, Wörth v. Woermann , Garant v. Garibaldi II, Graz v. Garibaldi I und Westrich v. Werther. Der Beschäerbestand heute ist durch hannoversche, westfälische und Holsteiner Hengste geprägt, aber auch Trakehner und Vollblüter kommen zum Einsatz.
Zuchtorganisation
Der Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar hat seinen Sitz im Pferdezentrum in Standenbühl. Dort wird das Stutbuch geführt. Der Verband untergliedert sich in die beiden Bezirksverbände Rheinland-Nassau im Norden und Rheinhessen-Pfalz-Saar im Süden. Die Betreuung der Züchter geschieht in der Praxis über die örtlichen Pferdezuchtvereine, die in Kooperation mit dem Pferdezuchtverband arbeiten und die Stuten- und Fohleneintragungen organisieren.
Literatur
Hans-Dieter Nebe:
Der Zweibrücker und sein Gestüt. 250 Jahre Landgestüt Zweibrücken.
Conrad + Bother, Zweibrücken 2005, ISBN 3-924171-51-3
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